Märchen - Februar

Der Lachwettbewerb
 
(ein Märchen von der Insel Sumatra, Indonesien)

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Bitte beachten: Märchen nur für den persönlichen Gebrauch speichern/drucken. Jede Veröffentlichung muss mit der Autorin (Barbara Scheel) abgesprochen werden.

Markt auf SumatraReiche Menschen haben oft schrullige Ideen. Auf der fruchtbaren Insel Sumatra lebte einmal ein reicher Mann. Eines Tages rief er die Leute zusammen und sagte: "Ich bin reich, habe Gold und Gut, und ich werde denjenigen belohnen, der euch alle – ohne Ausnahme alle! – in diesem Land zum Lachen bringt. Ich werde ihm den einen Teil meines Besitzes geben, den anderen werde ich behalten. Schließlich muss ich ja auch leben!“

Potztausend! Das war eine Gelegenheit, reich zu werden! Also kamen alle Leute in sein Haus, die etwas zu sagen hatten. Es wurden Büffel geschlachtet, man aß und trank, und die Leute erzählten alle lustigen Sachen, die sie wussten. Natürlich lachten die Leute darüber, aber eben nicht alle. Sogar ein Mann aus einem fremden Land kam und versuchte sein Glück. Es lachten viele Menschen über ihn, aber eben nicht alle.

Nun kam ein armer Mann, der nichts mehr zu verlieren hatte, und versuchte, alle Leute zum Lachen zu bringen, aber auch er hatte kein Glück und ging beschämt nach Hause. Müde legte er sich schlafen, wälzte sich hin und her, und als er schließlich einschlief, träumte er. Im Traum erschien ihm ein alter Mann und sagte: "Suche nicht weiter! Geh morgen wieder hin, aber diesmal ohne Vorbereitung. Dort sage, was dir gerade einfällt. Es wird schon richtig sein!"

Haus auf SumatraAls der Morgen graute, zog der Arme sich an, stieg auf das Dach des höchsten Hauses, rief die Leute an, und als sie endlich alle auf dem Platz vor dem Haus standen, schrie er: "Hört alle zu, groß und klein, alt und jung! Gestern hat mir mein Vater aufgetragen, frische, reife Pinangnüsse für seinen Betelbissen zu pflücken. Ich kletterte also in die Arekapalme, pflückte die Nüsse und warf sie hinab. Da riss meine Kletterschlinge, meine Füße hatten keinen Halt mehr, und ich fiel in den großen Sumpf. Bis zum Halse versank ich darin und konnte mich nicht befreien. Da kehrte ich geschwind nach Hause zurück, holte einen Spaten und lief zurück. Im Sumpf angekommen, schaufelte ich mich aus dem Schmodder frei, und konnte endlich meinem Vater die Nüsse bringen!"

Landschaft auf SumatraAls die Leute diese Geschichte hörten, begannen sie zu lachen. Sie glucksten und gackerten, sie brüllten und bogen sich, und die Tränen liefen ihnen über die Wangen, und keiner konnte sich des Lachens erwehren.

Um sicher zu gehen, fragte der Reiche: "Habt ihr alle gelacht? Wirklich alle?" Die Leute wischten sich die Tränen fort. "Wir haben alle gelacht, es gibt niemanden, der nicht gelacht hat!", bestätigten sie.

Der Reiche aber sagte: "Meinen ganzen Reichtum sollt ihr haben! Der Arme dort auf dem Dach soll die eine Hälfte und ihr alle sollt die andere haben! Mir soll nichts bleiben.“ Und so wurde es gemacht.

Die ursprüngliche Fassung des Märchens findet man in:
Insel der schönen Si Melu, Indonesische Dämonengeschichten, Märchen und Sagen aus Simalur (Nord-Sumatra),
herausgegeben von Hans Kähler, Verlag Erich Röth, Eisenach, 1952

...  und nächsten Monat:
Der Arme und seine Schicksalsfrau ein Märchen aus Griechenland.
  
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