Der Lachwettbewerb
(ein Märchen von der Insel Sumatra, Indonesien)
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(Barbara Scheel) abgesprochen werden.
Reiche Menschen haben oft schrullige Ideen. Auf der
fruchtbaren Insel Sumatra lebte
einmal ein reicher Mann. Eines Tages rief er die Leute zusammen
und sagte: "Ich bin
reich, habe Gold und Gut, und ich werde denjenigen belohnen, der
euch alle – ohne
Ausnahme alle! – in diesem Land zum Lachen bringt. Ich werde ihm
den einen Teil
meines Besitzes geben, den anderen werde ich behalten.
Schließlich muss ich ja
auch leben!“
Potztausend! Das war eine Gelegenheit, reich zu werden! Also
kamen alle Leute in
sein Haus, die etwas zu sagen hatten. Es wurden Büffel
geschlachtet, man aß und
trank, und die Leute erzählten alle lustigen Sachen, die sie
wussten. Natürlich
lachten die Leute darüber, aber eben nicht alle. Sogar ein Mann
aus einem fremden
Land kam und versuchte sein Glück. Es lachten viele Menschen
über ihn, aber eben
nicht alle.
Nun kam ein armer Mann, der nichts mehr zu verlieren hatte,
und versuchte, alle
Leute zum Lachen zu bringen, aber auch er hatte kein Glück und
ging beschämt
nach Hause. Müde legte er sich schlafen, wälzte sich hin und
her, und als er
schließlich einschlief, träumte er. Im Traum erschien ihm ein
alter Mann und sagte:
"Suche nicht weiter! Geh morgen wieder hin, aber diesmal ohne
Vorbereitung. Dort
sage, was dir gerade einfällt. Es wird schon richtig sein!"
Als der Morgen graute, zog der Arme sich an, stieg auf das
Dach des höchsten
Hauses, rief die Leute an, und als sie endlich alle auf dem
Platz vor dem Haus
standen, schrie er: "Hört alle zu, groß und klein, alt und jung!
Gestern hat mir mein
Vater aufgetragen, frische, reife Pinangnüsse für seinen
Betelbissen zu pflücken. Ich
kletterte also in die Arekapalme, pflückte die Nüsse und warf
sie hinab. Da riss meine
Kletterschlinge, meine Füße hatten keinen Halt mehr, und ich
fiel in den großen
Sumpf. Bis zum Halse versank ich darin und konnte mich nicht
befreien. Da kehrte
ich geschwind nach Hause zurück, holte einen Spaten und lief
zurück. Im Sumpf
angekommen, schaufelte ich mich aus dem Schmodder frei, und
konnte endlich
meinem Vater die Nüsse bringen!"
Als die Leute diese Geschichte hörten, begannen sie zu
lachen. Sie glucksten und
gackerten, sie brüllten und bogen sich, und die Tränen liefen
ihnen über die Wangen,
und keiner konnte sich des Lachens erwehren.
Um sicher zu gehen, fragte der Reiche: "Habt ihr alle
gelacht? Wirklich alle?" Die
Leute wischten sich die Tränen fort. "Wir haben alle gelacht, es
gibt niemanden, der
nicht gelacht hat!", bestätigten sie.
Der Reiche aber sagte: "Meinen ganzen Reichtum sollt ihr
haben! Der Arme dort auf
dem Dach soll die eine Hälfte und ihr alle sollt die andere
haben! Mir soll nichts
bleiben.“ Und so wurde es gemacht.
Die ursprüngliche Fassung des Märchens findet man in:
Insel der schönen Si Melu, Indonesische Dämonengeschichten,
Märchen und Sagen
aus Simalur (Nord-Sumatra),
herausgegeben von Hans Kähler,
Verlag Erich Röth,
Eisenach, 1952