4 Wochen Südkorea - eine Liebeserklärung im Sommer 2010
Diesmal
war der Aufenthalt von vielen Vorbereitungen begleitet: zwei riesengroße,
schwere Postpakete mit Puppen für eine Aufführung, einen Vortrag
mit Demonstration und ein 5-tägiges Seminar wurden vorausschickt,
Konzepte erstellt und übersetzt und die Fragen der neugierigen Journalisten
vorab beantwortet. Aber der Aufenthalt ließ auch Zeit, um die koreanische
Kultur und Lebensweise genauer kennenzulernen.
Barbara Scheel brach
Mitte Juli auf, um das Land und die Leute besser kennenzulernen.
Das war notwendig, denn die koreanische Lern- und Lehrkultur hängt
eng mit der Lebensweise in diesem Land zusammen. So wurde vereinbart,
dass ich neben einigen wenigen Sehenswürdigkeiten, die nicht durch
den letzten Krieg zerstört worden waren, einen Aufenthalt in einem
Tempel in der Nähe von Uljin, im Osten Südkoreas und auf einer "Art-Farm"
am Stausee Soyangdam bei Chuncheon besichtigen sollte.
Die Tempelaufenthalte werden von vielen jungen, aber auch
älteren Koreanern häufiger durchgeführt, um sich neu auf den Sinn
des Lebens und die Zukunftsziele des eigenen Lebens zu konzentrieren.
Tägliche Meditationen, Gebete und Zeremonien, Arbeit für den Tempel
und Gespräche bilden den Kern der Übungen.
Geschlafen wird auf einfachsten dünnen Unterlagen, wie sie in Korea
üblich und für einen westlichen Rücken gewöhnungsbedürftig sind.
Da der Tempel Shin-Kwang-Sa in der Nähe von Uljin von einer buddhistischen
Nonne (Snim) geführt wird, einsam in den Bergen liegt und nur über
eine Sackgasse zu erreichen ist, umfing mich Stille, Wärme (im Sommer
herrschen tropische Temperaturen in Südkorea), Offenheit und Freundlichkeit.
Die Warnung vor Schlangen war wohl nicht aus der Luft gegriffen,
aber ich hatte ohnehin kein Bedürfnis, mich auf die warmen Steine
in die Sonne zu setzen, denn jeder suchte den Schatten - außer den
Schlangen. Eine kleine Quelle mit köstlichem Wasser gab Erfrischung
und die Gespräche über Leben und Kultur, über Geschichte und Architektur
waren geeignet, das Land und die Menschen dort besser zu verstehen.
Zur Kultur des Landes gehören auch die vielen Museen, die ich
mit großer Begeisterung besuchte. Am beeindruckensten war das Museum
für frühe Druckkunst in Geong-ju, einer touristisch aufbereiteten,
sehenswerten Stadt, die früher Zentrum der Shilla-Dynastie war.
Dort wurde gezeigt, dass die beweglichen Lettern, die Gutenberg
zum Druck seiner berühmten Bibelausgabe, in China erfunden, in Korea
verfeinert und im Handdruckverfahren benutzt wurden. Gutenbergs
Erfindung der Druckmaschine hat der Welt zusammen mit den beweglichen
Lettern aus Korea die größte Revolution des Wissens und der Forschung
gebracht, die man sich denken kann. Die Diskussion mit dem Kurator
über diesen Zusammenhang hat mich fasziniert und beglückt. Eine
wohl unwissentliche Zusammenarbeit der beiden Länder zum Wohle der
Bildung im 15. Jahrhundert. Was für ein Ereignis! (Siehe auch die
im Internet herunter zu ladende Schrift "Die
fünfzig Wunder Koreas" und Informationen durch das Gutenbergmuseum
Mainz).
In
der Nähe von Chuncheon, dem Ort des Internationalen Puppentheater-Festivals,
befindet sich der größte Stausee Südkoreas.
Auf einem der Berge
befindet sich die Soyang-Art-Farm, nur zu erreichen mit einem
Schiff und nach telefonischer Absprache. Umtost von Wassern, die
nach ausgiebigem Regen den Berg herunterschossen, ohne Straßen und
daher ohne Autos war das ein Platz der Ruhe und der Kommunikation.
Hier erfuhr ich von den traditionellen Tänzen und Maskenspielen
und der Musik, die auf der Bühne des Anwesens regelmäßig zu sehen
und zu hören sind. Sie sind der Schönheit und der Zeremonie gewidmet,
aber besonders die Maskenspiele zeigen, wie sich die Koreaner früher
an den Herren und Großgrundbesitzern für schlechtes Benehmen und
geringen Lohn gerächt haben. Sie wurden "hinter der Maske" kritisiert
und lächerlich gemacht. Nach der Aufführung, die am Ende der Erntezeit
stattfand, wurden die Masken verbrannt. (
www.soyangartfarm.com
, leider nur in Koreanisch, aber mit eindrucksvollen Bildern).
Schließlich wurde das Festival eröffnet, nachdem 2 Tage lang
Amateurgruppen
ihr Können gezeigt und sich um die Geldpreise beworben
haben.
Bei dem Wettbewerb wurden Gruppen ausgezeichnet, die sich durch
besonderes Engagement, durch Witz und Kreativität hervorhoben. Den
ersten Preis gewann eine Gruppe, die aus Familien mit unterschiedlich
alten Kindern ein hinreißendes Spiel zeigte. Ein Feuerwerk, das
trotz des einsetzenden Regens alle in den Hof des riesigen Theaters
mit 5 Bühnen lockte, beschloss den Eröffnungsabend.
Der
Vortrag und mein Seminar über "Therapeutisches Puppenspiel"
wurden sehr gut besucht. Die Teilnehmer lernten nicht nur die Bedingungen
und die Wirkungsweise dieser Therapieform kennen, sondern erprobten
im Seminar auch selbst, was eine Puppe alles bewirken kann. Nach
dem Seminar waren sich alle einig: Es muss noch viel gelernt werden,
aber es macht Freude, ein neues Gebiet zu entdecken.
Meine Aufführung der Geschichte "Die drei Muhmen" aus Norwegen,
die ich am ersten Abend meinen koreanischen und internationalen
Kollegen vorspielte, wurde als "Meisterleistung" bejubelt.
alle waren fasziniert, obwohl sie kein Wort erstanden, weil ich
die Geschichte - wie gewohnt - in Deutsch spielte. Glückwünsche,
Einladungen zum Essen (die Koreaner essen gern, viel und sehr scharf)
und die Bitte, doch im nächsten Jahr wiederzukommen, waren ein wunderbarer
Abschluss meines Aufenthaltes in diesem Sommer in Korea.
